
Eine Reise ins alte Indien
Yoga ist viel mehr als ein Trend. Yoga hat eine über 5000 Jahre alte Geschichte. Um das Yoga von heute zu verstehen, ist es sinnvoll sich mit den Wurzeln im alten Indien auseinanderzusetzen. In diesem Artikel nehmen wir dich deshalb auf eine kurze Reise ins alte Indien mit, zu den Ursprüngen des Yoga. Danach schauen wir uns an, wie Yoga nach Europa gekommen ist.
Schon während der Induskultur vor über 5000 Jahren gab es Darstellungen von Yogastellungen. Die Rishis, spirituelle Meister, versuchten bereits im alten Indien den existenziellen Fragen mit Meditation näherzukommen. Schon in den ältesten indischen Texten, den Veden, werden Yoga genauso wie die indische Heilkunst Ayurveda erstmals beschrieben. Ebenso wie in den Upanishaden, einer Sammlung wichtiger philosophischer Werke des Hinduismus. Yoga ist eine der sechs altindischen philosophischen Sichtweisen auf die Wirklichkeit (Darshanas). In der ursprünglichen Yoga-Philosophie bist du als Individuum ein Reisender in einem Wagen. Der Wagen ist dein Körper, der Kutscher ist dein Verstand und die fünf Pferde sind deine fünf Sinnesorgane. Der Fahrgast ist deine Seele und Yoga ist das Gespann. Mit diesem sollen die wilden Pferde der fünf Sinne gezügelt werden. Yoga war im alten Indien ein spiritueller Weg. Die Meditation sollte auf der Suche nach Erleuchtung helfen. Die Asanas (Yogastellungen) hatten die Funktion den Körper zu stärken. Damit man ohne allzu grosse Beschwerden möglichst lange im Meditationssitz bleiben konnte. Bald realisierte man jedoch, dass die Asanas auch für das allgemeine Wohlbefinden, die Gesundheit und die Zufriedenheit sehr förderlich waren. Also entwickelte man die Asanas weiter. Um 500 vor Christus entstand der Buddhismus. Dieser erneuerte Yoga. Zu Beginn unserer Zeitrechnung entstanden in verschiedenen indischen Städten die ersten grossen Yoga- und Ayurveda-Studienzentren. Während der Kolonialisierung Indiens durch England ab dem 17. Jahrhundert mussten sich Yogis und Yoginis vielerorts in den Untergrund und die Illegalität zurückziehen. Nach der Unabhängigkeit Indiens 1947 wurden grosse Ayurveda Universitäten und Yoga Ashrams eröffnet und Yoga wurde immer populärer.
So kam Yoga nach Europa
Auch in Europa hat Yoga bereits eine lange Geschichte. Dank den Handelsrouten waren Indien und der Mittelmeerraum schon in der Antike miteinander verbunden. So wurde bereits die Medizin der alten Griechen und Römer durch die indische Heiltradition Ayurveda beeinflusst. Man geht davon aus, dass in dieser Zeit auch das erste Mal Yoga seinen Weg nach Europa fand und griechische Philosophen, unter anderem Aristoteles, mit Yoga in Kontakt kamen. Im dunklen und von religiösem Fanatismus geprägten Mittelalter geriet Yoga in Vergessenheit. Erst ab dem 18. Jahrhundert wurde die indische Kultur in Europa wieder populärer. Goethe war genauso von Indien fasziniert wie Schopenhauer oder Hesse.
In den 1920er Jahren entstanden in Berlin und in anderen Städten die ersten europäischen Yogaschulen. In dieser Zeit wurde Yoga aber nur von einigen wenigen Pionieren praktiziert. Erst mit der New Age-Bewegung und der 68er-Bewegung wurde Yoga in den urbanen Metropolen Europas populär. Sowohl der spirituelle als auch der körperorientierte Aspekt fanden immer mehr Anklang. Viele junge Europäer und Europäerinnen reisten in dieser Zeit des Aufbruchs nach Indien. Dank der entspannenden Wirkung von Yoga fand ab den 1990er Jahren eine Mainstreamisierung statt. Immer mehr Menschen auf der ganzen Welt entschieden sich Yoga in ihren Alltag zu integrieren. Wissenschaftliche Studien bestätigten den positiven Einfluss auf die Gesundheit. 2016 wurde Yoga von der UNESCO als immaterielles Weltkulturerbe anerkannt. Heute harmonisieren weltweit über 400 Millionen Menschen Körper, Geist und Seele mit verschiedenen Yogastilen.
Mehr zur Yoga-Geschichte und Philosophie erfährst du in folgendem Wikipedia Artikel
Yoga - Geschichte und Philosophie